IHK-registrierter Immobiliardarlehensvermittler

Ist Bausparen noch sinnvoll? Wann sich ein Bausparvertrag lohnt – und wann nicht

Bausparen lohnt sich vor allem dann, wenn Sie in fünf bis fünfzehn Jahren einen Kredit brauchen und sich das Zinsniveau von heute für diesen späteren Zeitpunkt sichern wollen. Als reine Geldanlage rechnet es sich in der Regel nicht: Die Guthabenzinsen liegen unter denen von Tagesgeld, und die Abschlussgebühr belastet die Anfangsjahre. Der Wert eines Bausparvertrags steckt fast immer im Darlehensteil, nicht im Sparteil.

Von Günther DallmairAktualisiert am

Die Frage „lohnt sich das noch?" lässt sich nicht pauschal beantworten, weil ein Bausparvertrag zwei völlig unterschiedliche Dinge gleichzeitig ist: ein Sparprodukt und eine Zinsversicherung. Als Sparprodukt ist er schwach. Als Zinsversicherung kann er sehr wertvoll sein – aber nur, wenn Sie den Kredit später tatsächlich brauchen.

Der entscheidende Punkt: Sie zahlen die Kosten des Vertrags in der Sparphase, den Nutzen ziehen Sie in der Darlehensphase. Wer den Vertrag nur bespart und das Darlehen nie abruft, trägt die Kosten ohne die Gegenleistung.

Auf einen Blick

Sinnvoll bei
Kreditbedarf in ca. 5 bis 15 Jahren
Kernnutzen
Darlehenszins steht heute schon fest
Typische Laufzeit Sparphase
7 bis 12 Jahre
Übliches Mindestsparguthaben
40 bis 50 % der Bausparsumme
Einmalige Kosten
1,0 bis 1,6 % der Bausparsumme (tarifabhängig)
Nicht sinnvoll als
reine Geldanlage oder kurzfristiger Sparplan

Wann sich ein Bausparvertrag lohnt

In diesen Situationen liegt ein konkreter, bezifferbarer Vorteil vor – nicht nur ein theoretischer:

  • Anschlussfinanzierung in einigen Jahren. Läuft Ihre Zinsbindung in sieben oder zehn Jahren aus, sichern Sie sich mit einem Bausparvertrag heute den Zins für die Anschlussfinanzierung. Steigen die Zinsen bis dahin, war der Vertrag ein Gewinn. Fallen sie, verzichten Sie einfach auf das Darlehen und lassen sich das Guthaben auszahlen.
  • Geplante Modernisierung. Für Heizungstausch, Dämmung oder Umbau brauchen Sie in einigen Jahren eine überschaubare Summe. Bauspardarlehen gibt es ohne Grundbucheintrag, was bei kleineren Beträgen die Nebenkosten spürbar senkt.
  • Immobilienkauf in fernerer Zukunft. Sie wollen in zehn Jahren kaufen, haben aber noch wenig Eigenkapital. Der Vertrag erzwingt Spardisziplin und sichert gleichzeitig den späteren Zins.
  • Anspruch auf Förderung. Wer die Einkommensgrenzen für Wohnungsbauprämie oder Arbeitnehmersparzulage einhält, bekommt eine Rendite, die über den reinen Guthabenzins deutlich hinausgeht.
  • Wohn-Riester. Bei entsprechender Förderberechtigung lässt sich ein Bausparvertrag als Riester-Vertrag führen. Das ändert die Rechnung erheblich – bringt aber auch eine nachgelagerte Besteuerung mit sich.

Wann sich ein Bausparvertrag nicht lohnt

Diese Fälle kommen in der Beratung regelmäßig vor. Hier ist die ehrliche Antwort ein Nein:

  • Sie wollen nur Geld anlegen. Guthabenzinsen im Bausparvertrag liegen typischerweise unter Tagesgeldniveau. Dazu kommt die Abschlussgebühr, die in den ersten Jahren einen Teil des Guthabens aufzehrt. Als Anlage ist das kein gutes Geschäft.
  • Sie brauchen das Geld kurzfristig. Vor der Zuteilung kommen Sie an das Darlehen nicht heran, und die Zuteilung lässt sich nicht auf ein Datum festlegen. Wer in zwei Jahren finanzieren will, ist mit einem Bausparvertrag falsch beraten.
  • Sie finanzieren sofort. Steht der Immobilienkauf unmittelbar an, brauchen Sie ein Annuitätendarlehen, keinen Bausparvertrag.
  • Sie sind unsicher, ob Sie durchhalten. Wer den Regelsparbeitrag dauerhaft nicht bedienen kann, verschiebt die Zuteilung immer weiter nach hinten und zahlt am Ende Kosten für einen Vorteil, der nie eintritt.
  • Die Bausparsumme ist deutlich zu hoch angesetzt. Da sich die Abschlussgebühr auf die Bausparsumme bezieht, kostet jede unnötige Erhöhung sofort Geld. Eine zu große Bausparsumme ist einer der häufigsten und teuersten Fehler.

Der Denkfehler bei „Bausparen lohnt sich nicht mehr"

Die Aussage stammt meist aus einer Niedrigzinsphase und vergleicht den Guthabenzins des Bausparvertrags mit anderen Sparprodukten. Dieser Vergleich geht am Produkt vorbei. Ein Bausparvertrag ist im Kern eine Option auf einen Kredit zu einem heute festgelegten Zins – und der Wert einer solchen Option steigt, je unsicherer die künftige Zinsentwicklung ist.

Umgekehrt gilt aber genauso: Wer diese Option nie einlöst, hat für nichts bezahlt. Deshalb ist die einzig sinnvolle Prüfreihenfolge: erst klären, ob und wann Sie einen Kredit brauchen – und erst danach über Tarife reden.

Was die Entscheidung tatsächlich bestimmt

In der Praxis hängt die Antwort an vier Größen: dem Zeitpunkt Ihres Kreditbedarfs, der Höhe des Betrags, Ihrer Sparfähigkeit während der Ansparphase und Ihrem Anspruch auf Förderung. Erst wenn diese vier feststehen, lässt sich ein Tarif sinnvoll auswählen – denn Tarife unterscheiden sich vor allem darin, welche Kombination aus Sparzeit, Zinssatz und Tilgungshöhe sie belohnen.

Ein niedriger Darlehenszins nützt wenig, wenn der Tarif eine hohe Tilgung erzwingt, die nicht zu Ihrem Budget passt. Und eine niedrige Abschlussgebühr ist kein Vorteil, wenn der Tarif dafür eine längere Mindestsparzeit verlangt, als Ihr Zeitplan hergibt.

Häufige Fragen

Ist Bausparen 2026 noch zeitgemäß?

Als Instrument zur Zinssicherung ja, als Geldanlage nein. Der Nutzen entsteht dadurch, dass der Darlehenszins bereits bei Vertragsabschluss verbindlich feststeht und sich später nicht mehr ändert. Wer in fünf bis fünfzehn Jahren einen Kredit für Anschlussfinanzierung, Modernisierung oder Kauf benötigt, kauft sich damit Planungssicherheit. Wer lediglich sparen möchte, findet für dasselbe Geld Produkte mit besserer Verzinsung und ohne Abschlusskosten.

Was passiert, wenn ich das Bauspardarlehen am Ende nicht brauche?

Dann verzichten Sie darauf und lassen sich das angesparte Guthaben samt Zinsen auszahlen. Das ist ausdrücklich vorgesehen und kein Vertragsbruch. Wirtschaftlich haben Sie in diesem Fall allerdings die Abschlussgebühr und die im Vergleich niedrige Guthabenverzinsung getragen, ohne den Gegenwert des zinsgesicherten Darlehens zu nutzen. Manche Tarife erstatten bei Darlehensverzicht einen Zinsbonus, der genau diesen Nachteil teilweise ausgleicht – ob Ihr Tarif das vorsieht, steht in den Tarifbedingungen.

Lohnt sich ein Bausparvertrag für Kinder?

Meist nicht als Finanzprodukt, sondern nur als Sparritual. Ein Kind hat keinen absehbaren Kreditbedarf, und genau darin liegt der Nutzen eines Bausparvertrags. Hinzu kommt: Die Abschlussgebühr fällt sofort an, der mögliche Vorteil liegt Jahrzehnte entfernt und der Tarif von heute passt mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zur Lebenssituation in zwanzig Jahren. Ab 16 Jahren kann allerdings die Wohnungsbauprämie greifen, was die Rechnung verändert.

Ist ein Bausparvertrag sicher?

Die Einlagen unterliegen der gesetzlichen Einlagensicherung, und Bausparkassen unterliegen mit dem Bausparkassengesetz einer eigenen, engen Aufsicht durch die BaFin. Der vereinbarte Darlehenszins ist vertraglich garantiert. Nicht garantiert ist dagegen der Zeitpunkt der Zuteilung: Er hängt davon ab, wie viel Geld im Kollektiv zur Verfügung steht. Wer einen festen Termin braucht, muss das in der Planung berücksichtigen.

Kann ich einen Bausparvertrag jederzeit kündigen?

Ja, in der Sparphase können Sie mit einer Frist von sechs Monaten kündigen und erhalten Ihr Guthaben zuzüglich der aufgelaufenen Zinsen zurück. Die bereits gezahlte Abschlussgebühr wird dabei in aller Regel nicht erstattet. Haben Sie staatliche Förderung erhalten, kann eine Kündigung vor Ablauf der Bindungsfrist zur Rückforderung führen – das sollten Sie vorher prüfen.

Quellen

Günther Dallmair

Verfasst von

Günther Dallmair

Bauspar- und Finanzierungsexperte

IHK-registrierter Immobiliardarlehensvermittler
Reg.-Nr. D-W-155-1UQR-94

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