Bauspartarife vergleichen: die neun Kennzahlen, auf die es ankommt
Ein Bauspartarif lässt sich nicht an einer einzigen Zahl messen. Entscheidend sind neun Größen – von der Abschlussgebühr über Guthaben- und Darlehenszins bis zu Mindestsparguthaben und Tilgungsbeitrag –, die sich gegenseitig ausgleichen: Ein niedriger Darlehenszins wird fast immer durch eine höhere Tilgung, einen niedrigeren Guthabenzins oder eine längere Sparzeit erkauft. Welcher Tarif der beste ist, hängt deshalb daran, wann Sie das Geld brauchen und wie viel Sie monatlich tragen können.
Beim Bausparen gibt es keine Bestenliste, die für alle stimmt. Das liegt nicht an mangelnder Transparenz, sondern an der Konstruktion: Bausparkassen kalkulieren im Kollektiv, und was sie an einer Stelle günstiger anbieten, holen sie an anderer wieder herein. Ein Tarif ist deshalb immer nur für einen bestimmten Zeitplan und ein bestimmtes Budget der beste.
Die neun Kennzahlen
Diese Größen bestimmen zusammen, was ein Tarif kostet und leistet:
- 1Abschlussgebühr – 1,0 bis 1,6 Prozent der Bausparsumme, einmalig. Belastet vor allem kurze Laufzeiten.
- 2Guthabenzins – die Verzinsung der Sparphase. Relevant, wenn Sie das Darlehen voraussichtlich nicht abrufen.
- 3Darlehenszins (nominal) – der gesicherte Zins des Bauspardarlehens. Der eigentliche Grund für den Vertrag.
- 4Effektiver Jahreszins des Darlehens – die vergleichbare Größe. Nur sie berücksichtigt Gebühren und Zahlungsweise.
- 5Regelsparbeitrag – 3 bis 5 Promille der Bausparsumme monatlich. Bestimmt die laufende Belastung.
- 6Mindestsparguthaben – 40 bis 50 Prozent der Bausparsumme. Bestimmt, wie groß die Bausparsumme für Ihren Darlehensbedarf sein muss.
- 7Mindestsparzeit und Zielbewertungszahl – bestimmen zusammen, wie früh die Zuteilung frühestens möglich ist.
- 8Tilgungsbeitrag des Darlehens – meist 4 bis 8 Promille der Bausparsumme monatlich. Bestimmt die Belastung nach der Zuteilung und die Darlehenslaufzeit.
- 9Kontogebühren und Bonusregelungen – laufende Entgelte, Zinsboni bei Darlehensverzicht, Bonusregelungen für Sonderzahlungen.
Die drei Tariftypen
Hinter den Produktnamen der Bausparkassen stecken im Kern drei Bauarten, die sich an unterschiedliche Ziele richten.
Finanzierungstarife bieten einen besonders niedrigen Darlehenszins, verlangen dafür aber einen hohen Tilgungsbeitrag und verzinsen das Guthaben schwach. Sie passen, wenn Sie das Darlehen sicher abrufen wollen und die höhere Rate tragen können.
Renditetarife drehen es um: hoher Guthabenzins, oft ein zusätzlicher Bonus bei Verzicht auf das Darlehen, dafür ein wenig attraktiver Darlehenszins. Sie passen, wenn der Vertrag primär der Vermögensbildung dient und das Darlehen eine Rückfalloption bleibt.
Options- oder Wahltarife legen die Entscheidung nach hinten: Sie wählen erst bei der Zuteilung, ob Sie die Rendite- oder die Finanzierungsvariante nutzen. Das kostet in beiden Richtungen etwas Kondition, ist aber sinnvoll, wenn heute noch offen ist, ob Sie in zehn Jahren einen Kredit brauchen.
Vier Fehler, die den Vergleich wertlos machen
- Nur auf den Darlehenszins schauen. Ohne den zugehörigen Tilgungsbeitrag sagt er nichts über die tatsächliche Belastung. Ein Prozentpunkt weniger Zins bei doppelter Tilgung ist oft die teurere Variante.
- Nominalzins statt Effektivzins vergleichen. Nur der effektive Jahreszins enthält Gebühren und Zahlungsweise und ist damit die einzige vergleichbare Größe.
- Die Zuteilungszeit ignorieren. Der beste Tarif nützt nichts, wenn die Zuteilung zwei Jahre nach dem Termin liegt, an dem Sie das Geld brauchen.
- Die Abschlussgebühr überbewerten. Sie ist auffällig, weil sie sofort anfällt – aber über eine Laufzeit von zehn Jahren und mehr fällt ein halber Prozentpunkt Zinsunterschied fast immer stärker ins Gewicht.
So vergleichen Sie richtig
- 1Zeitpunkt festlegen: Wann brauchen Sie das Geld? Daraus ergibt sich die maximal mögliche Sparzeit.
- 2Darlehensbedarf beziffern: Wie viel Kredit soll der Vertrag beisteuern? Daraus und aus dem Mindestsparguthaben folgt die Bausparsumme.
- 3Budget prüfen: Welche Rate ist in der Sparphase tragbar – und welche nach der Zuteilung, wenn der Tilgungsbeitrag greift? Die zweite wird oft vergessen.
- 4Gesamtkosten rechnen: Abschlussgebühr, Kontogebühren, gezahlte Zinsen und erhaltene Zinsen über die gesamte Laufzeit gegenüberstellen – nicht einzelne Konditionen vergleichen.
- 5Zuteilungsprognose gegenprüfen: Passt der erwartete Zeitpunkt zu Ihrem Termin, mit ein bis zwei Jahren Puffer?
Warum wir hier keine Tariftabelle zeigen
Konditionen deutscher Bausparkassen ändern sich, und eine Tabelle, die nicht laufend gegen die offiziellen Tarifbedingungen geprüft wird, ist nach wenigen Monaten falsch. Falsche Zinsangaben sind bei einem registrierten Vermittler kein Schönheitsfehler, sondern ein Rechtsproblem.
Wir vergleichen die Tarife deshalb im konkreten Fall mit den jeweils gültigen Bedingungen – und veröffentlichen an dieser Stelle erst dann Zahlen, wenn wir sie dauerhaft pflegen können.
Häufige Fragen
Welche Bausparkasse ist die beste?
Diese Frage lässt sich nicht allgemein beantworten, und jede Antwort, die es versucht, ist unseriös. Bausparkassen führen jeweils mehrere Tarife mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Welcher davon der günstigste ist, hängt an Ihrem Zeitplan, Ihrem Darlehensbedarf und Ihrem monatlichen Budget. Derselbe Tarif kann für zwei Menschen mit unterschiedlichem Zeithorizont die beste und die schlechteste Wahl sein.
Worauf sollte ich beim Bauspartarif am meisten achten?
Auf die Kombination aus effektivem Darlehenszins und Tilgungsbeitrag, denn die beiden bestimmen zusammen Ihre tatsächliche Belastung nach der Zuteilung. Direkt danach kommt die realistische Zuteilungszeit: Sie muss zu dem Termin passen, an dem Sie das Geld brauchen. Die Abschlussgebühr ist der auffälligste, aber selten der entscheidende Posten.
Was ist der Unterschied zwischen Nominalzins und Effektivzins?
Der Nominalzins ist der reine Zinssatz auf die Darlehenssumme. Der effektive Jahreszins berücksichtigt zusätzlich Gebühren, Zahlungsweise und Verrechnungszeitpunkte und bildet damit die tatsächliche jährliche Belastung ab. Nur der Effektivzins ist zwischen Anbietern vergleichbar; er ist bei Verbraucherdarlehen auch die gesetzlich vorgeschriebene Angabe.
Kann ich den Tarif später wechseln?
Innerhalb derselben Bausparkasse ist ein Tarifwechsel häufig möglich, aber selten kostenlos: Meist wird die Abschlussgebühr auf den neuen Tarif angepasst, und die Bewertungszahl kann neu berechnet werden, was die Zuteilung verschiebt. Ein Wechsel zu einer anderen Bausparkasse bedeutet praktisch immer einen neuen Vertrag mit neuer Abschlussgebühr. Deshalb lohnt sich der Aufwand am Anfang.
Sind Online-Tarifrechner zuverlässig?
Für eine erste Größenordnung ja, für die Entscheidung nicht. Die meisten Rechner arbeiten mit vereinfachten Annahmen und lassen Zuteilungsprognose, Tilgungsbeitrag und Bonusregelungen außen vor – also genau die Größen, die den Unterschied ausmachen. Verlässlich ist erst der Vergleich anhand der aktuellen Tarifbedingungen für Ihren konkreten Zeitplan.
Quellen

Verfasst von
Günther Dallmair
Bauspar- und Finanzierungsexperte
IHK-registrierter Immobiliardarlehensvermittler
Reg.-Nr. D-W-155-1UQR-94
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