IHK-registrierter Immobiliardarlehensvermittler

Zwischenfinanzierung und Vorausdarlehen: Geld vor der Zuteilung

Wenn das Geld vor der Zuteilung gebraucht wird, überbrückt eine Zwischenfinanzierung die Lücke: Sie wird zunächst nur verzinst und bei Zuteilung durch Guthaben plus Bauspardarlehen abgelöst. Beim Vorausdarlehen ist dieselbe Konstruktion von Anfang an Teil der Finanzierung – der Bausparvertrag dient dann als Tilgungsersatz. Beides kostet zusätzliche Zinsen für die Überbrückungszeit und sollte deshalb bewusst gewählt, nicht aus Zeitnot in Kauf genommen werden.

Von Günther DallmairAktualisiert am

Auf einen Blick

Tilgung während der Laufzeit
keine, nur Zinszahlung
Parallel dazu
weiter Sparbeiträge in den Bausparvertrag
Doppelbelastung
ja: Zinsen plus Sparrate
Ablösung
bei Zuteilung durch Guthaben + Bauspardarlehen
Typische Dauer Zwischenfinanzierung
wenige Monate bis rund 2 Jahre
Zinsniveau
meist über dem eines regulären Immobiliendarlehens

Wie die Konstruktion funktioniert

Der Ablauf ist bei beiden Varianten gleich. Sie erhalten sofort den vollen Betrag, zahlen darauf aber nur Zinsen – getilgt wird nicht. Parallel besparen Sie den Bausparvertrag weiter. Sobald der zuteilungsreif ist, wird das Zwischendarlehen mit dem Guthaben und dem Bauspardarlehen in einem Zug abgelöst. Ab dann läuft nur noch das Bauspardarlehen, das regulär getilgt wird.

Der entscheidende Punkt für die Haushaltsrechnung: In der Überbrückungsphase tragen Sie zwei Belastungen gleichzeitig – die Zinsen auf das Zwischendarlehen und die Sparrate für den Bausparvertrag. Dafür sinkt die Restschuld in dieser Zeit nicht.

Der Unterschied zwischen den beiden

Eine Zwischenfinanzierung ist eine Reparatur: Der Bausparvertrag läuft bereits, ist aber noch nicht zuteilungsreif, und das Geld wird jetzt gebraucht. Sie überbrückt eine überschaubare Zeitspanne, meist Monate bis maximal etwa zwei Jahre.

Ein Vorausdarlehen ist eine Planung: Die Kombination aus Sofortdarlehen und Bausparvertrag als Tilgungsersatz wird von Anfang an so aufgesetzt, häufig über zehn Jahre und mehr. Diese Konstruktion wird gelegentlich als besonders günstig verkauft, weil der niedrige Bauspardarlehenszins in den Vordergrund gestellt wird.

Bei Vorausdarlehen lohnt deshalb genaues Hinsehen: Über die gesamte Laufzeit zahlen Sie Zinsen auf einen Betrag, der nicht sinkt, weil nicht getilgt, sondern angespart wird. Ob das günstiger ist als ein klassisches Annuitätendarlehen, zeigt nur eine Gesamtkostenrechnung über beide Phasen – nicht der Vergleich einzelner Zinssätze.

Wann sich die Überbrückung rechnet

  • Ein fester Termin lässt sich nicht verschieben, etwa der Kauf einer konkreten Immobilie oder ein Handwerkertermin nach einem Schaden.
  • Die Zuteilung steht kurz bevor – bei wenigen Monaten Überbrückung bleiben die Mehrkosten überschaubar.
  • Es gibt keine günstigere Alternative. Prüfen Sie vorher, ob ein Förderkredit oder die Aufstockung einer bestehenden Finanzierung nicht billiger ist.

Wann Sie besser gegensteuern

Bevor Sie eine längere Überbrückung eingehen, prüfen Sie diese Wege:

  • Sonderzahlung leisten. Sie zieht die Zuteilung vor und wirkt umso stärker, je früher sie erfolgt.
  • Bausparsumme reduzieren. Das senkt das erforderliche Mindestsparguthaben, die Zuteilung rückt näher. Die gezahlte Abschlussgebühr wird allerdings nicht anteilig erstattet.
  • Zeitplan verschieben, wenn die Maßnahme nicht dringend ist. Ein Jahr warten ist häufig günstiger als ein Jahr Zwischenfinanzierung.
  • Andere Finanzierung prüfen. Bei energetischen Modernisierungen sind Förderkredite oft deutlich günstiger, siehe Modernisierung finanzieren.

Häufige Fragen

Was kostet eine Zwischenfinanzierung?

Der Zinssatz liegt üblicherweise über dem eines regulären Immobiliendarlehens, weil die Laufzeit kurz und der Verwaltungsaufwand relativ hoch ist. Entscheidend für die Gesamtkosten ist die Dauer: Bei wenigen Monaten bleibt der Effekt gering, bei zwei Jahren kommt eine spürbare Summe zusammen – zumal in dieser Zeit nicht getilgt wird und Sie parallel die Sparrate weiter bedienen.

Was ist der Unterschied zwischen Zwischenfinanzierung und Vorausdarlehen?

Die Zwischenfinanzierung überbrückt kurzfristig eine Lücke, die ungeplant entstanden ist – der Bausparvertrag läuft bereits, ist aber noch nicht zugeteilt. Das Vorausdarlehen ist dagegen von Anfang an so geplant: Sie nehmen sofort den vollen Betrag auf und sparen parallel einen Bausparvertrag an, der das Darlehen später ablöst. Beim Vorausdarlehen läuft die tilgungsfreie Phase deshalb oft über zehn Jahre und mehr.

Ist ein Vorausdarlehen günstiger als ein normales Annuitätendarlehen?

Nicht automatisch. Der oft hervorgehobene niedrige Bauspardarlehenszins gilt erst nach der Zuteilung. Bis dahin zahlen Sie Zinsen auf einen Betrag, der nicht sinkt, weil parallel angespart statt getilgt wird. Ob die Konstruktion günstiger ist, zeigt nur eine Gesamtkostenrechnung über beide Phasen – und die fällt je nach Zinsniveau und Tarif unterschiedlich aus.

Kann ich die Zwischenfinanzierung vorzeitig ablösen?

In der Regel ja, und das ist auch der Normalfall: Sie endet mit der Zuteilung. Wird sie früher abgelöst, etwa weil unerwartet Geld verfügbar ist, hängt es von den Vertragsbedingungen ab, ob eine Vorfälligkeitsentschädigung anfällt. Bei kurzen Laufzeiten ist das häufig ausgeschlossen – nachfragen und schriftlich bestätigen lassen.

Bekomme ich eine Zwischenfinanzierung automatisch von meiner Bausparkasse?

Nein, es ist ein eigener Kreditvertrag mit eigener Bonitätsprüfung. Viele Bausparkassen bieten die Zwischenfinanzierung selbst an, weil sie den zugrunde liegenden Vertrag kennen, ein Anspruch darauf besteht aber nicht. Es lohnt sich, parallel Angebote von Banken einzuholen – bei kurzen Laufzeiten sind die Unterschiede teils erheblich.

Quellen

Günther Dallmair

Verfasst von

Günther Dallmair

Bauspar- und Finanzierungsexperte

IHK-registrierter Immobiliardarlehensvermittler
Reg.-Nr. D-W-155-1UQR-94

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