IHK-registrierter Immobiliardarlehensvermittler

Bausparzinsen: Guthabenzins, Darlehenszins und warum beide festgeschrieben sind

Ein Bausparvertrag hat zwei Zinssätze, die gemeinsam kalkuliert werden: den Guthabenzins der Sparphase und den Darlehenszins der Darlehensphase. Beide stehen bei Vertragsabschluss verbindlich fest und ändern sich später nicht mehr. Ein niedriger Guthabenzins ist deshalb kein Mangel des Tarifs, sondern meist der Preis für einen niedrigen Darlehenszins – und umgekehrt. Welche Kombination die richtige ist, hängt allein davon ab, ob Sie das Darlehen später nutzen wollen.

Von Günther DallmairAktualisiert am

Auf einen Blick

Anzahl der Zinssätze
zwei – Guthabenzins und Darlehenszins
Festgeschrieben ab
Vertragsabschluss, für die gesamte Laufzeit
Guthabenzins
liegt meist unter dem Niveau von Tagesgeld
Darlehenszins
steht schon Jahre vor dem Abruf fest
Zusammenhang
ein niedriger Darlehenszins wird über einen niedrigen Guthabenzins erkauft
Pflichtangabe beim Darlehen
effektiver Jahreszins nach PAngV

Zwei Zinssätze, eine Kalkulation

Wer nach „den Bausparzinsen“ sucht, meint meist nur einen von beiden. Tatsächlich hat jeder Tarif zwei: In der Sparphase verzinst die Bausparkasse Ihr Guthaben, in der Darlehensphase verzinsen Sie das abgerufene Darlehen. Getrennt betrachtet ergibt keiner der beiden Werte ein Urteil über den Tarif.

Der Grund liegt im Bausparkollektiv. Die Bausparkasse verleiht das Geld der Sparer an diejenigen Bausparer, die bereits zugeteilt sind. Was sie den Sparern an Zinsen zahlt, muss sie über die Darlehenszinsen wieder einnehmen. Beide Sätze sind deshalb keine unabhängigen Werbeaussagen, sondern zwei Seiten derselben Kalkulation: Ein Tarif mit auffällig niedrigem Darlehenszins finanziert diesen in aller Regel über einen entsprechend niedrigen Guthabenzins.

Daraus folgt die einzige Frage, die beim Zinsvergleich wirklich zählt: Wollen Sie das Darlehen nutzen? Wenn ja, ist der Darlehenszins die entscheidende Größe und der Guthabenzins nahezu belanglos. Wenn nein, ist es genau umgekehrt – und dann konkurriert der Bausparvertrag mit Sparprodukten, gegen die er sich schwertut.

Warum die Zinsen festgeschrieben werden

Die Zinsbindung über die volle Laufzeit ist kein Entgegenkommen der Bausparkasse, sondern Bauprinzip. Das Kollektiv funktioniert nur, wenn die Zusagen an alle Beteiligten kalkulierbar bleiben: Wer heute spart, muss wissen, zu welchem Zins er später leihen darf, und die Kasse muss wissen, mit welchen Zinszahlungen sie rechnen kann. Deshalb regelt das Gesetz über Bausparkassen den Geschäftsbetrieb eng und erlaubt Bausparkassen im Kern nur das Bauspargeschäft.

Für Sie bedeutet das: Der Zins, den Sie beim Abschluss vereinbaren, gilt auch dann noch, wenn das Marktniveau in zehn Jahren deutlich höher liegt. Genau diese Eigenschaft ist der eigentliche Gegenwert eines Bausparvertrags – und der Grund, warum ein Abschluss in Niedrigzinsphasen mehr bringt als in Hochzinsphasen. Sie kaufen eine Option auf günstiges Geld, deren Wert mit steigenden Marktzinsen zunimmt.

Was die Höhe der Bausparzinsen beeinflusst

Die Sätze unterscheiden sich zwischen Tarifen erheblich – auch innerhalb derselben Bausparkasse. Diese Faktoren stecken dahinter:

  • Die Ausrichtung des Tarifs. Finanzierungstarife optimieren den Darlehenszins, Spar- und Renditetarife den Guthabenzins. Beides zugleich gibt es nicht.
  • Das Zinsniveau zum Zeitpunkt der Tarifauflage. Tarifgenerationen werden neu kalkuliert, wenn sich der Kapitalmarkt bewegt. Bestehende Verträge behalten ihre Konditionen unverändert.
  • Ein möglicher Zinsbonus. Manche Tarife stocken den Guthabenzins nachträglich auf, wenn Sie auf das Darlehen verzichten. Das ist der Versuch, zwei Zielgruppen in einem Tarif zu bedienen – und für reine Sparer oft der interessanteste Punkt.
  • Die gewählte Tarifvariante. Viele Tarife bieten mehrere Zinskombinationen an, zwischen denen Sie sich beim Abschluss entscheiden.
  • Die Nebenkosten. Abschlussgebühr und Kontogebühren verändern die tatsächliche Rendite beziehungsweise die tatsächlichen Kreditkosten stärker, als der Nominalzins vermuten lässt.

Nominalzins und Effektivzins nicht verwechseln

Beim Darlehen ist der nominale Zinssatz nur die halbe Auskunft. Aussagekräftig ist der effektive Jahreszins: Er bezieht die Nebenkosten und den Zahlungsverlauf mit ein und ist bei der Werbung für Kredite eine Pflichtangabe nach der Preisangabenverordnung. Zwei Tarife mit identischem Nominalzins können sich im Effektivzins spürbar unterscheiden.

Auf der Sparseite gilt dasselbe in umgekehrter Richtung. Ein Guthabenzins sagt wenig, solange die Abschlussgebühr nicht gegengerechnet ist – sie wird auf die gesamte Bausparsumme berechnet und schmälert die Rendite besonders in den ersten Jahren. Wer den Bausparvertrag als Geldanlage prüft, sollte deshalb nie den Guthabenzins allein betrachten, sondern die Rendite nach Kosten. Der Vergleich mit anderen Anlageformen steht unter Bausparen oder ETF; die Sparraten selbst rechnet der Bausparrechner durch.

Häufige Fragen

Wie hoch sind die Zinsen bei einem Bausparvertrag?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten, weil jeder Tarif zwei Zinssätze hat und beide gemeinsam kalkuliert werden. Verbindlich sind allein die Angaben in den Tarifbedingungen des jeweiligen Vertrags. Verlässlich ist dagegen die Struktur: Der Guthabenzins der Sparphase liegt meist unter dem Niveau von Tagesgeld, der Darlehenszins dafür unter dem, was ein vergleichbarer Ratenkredit oder ein späteres Annuitätendarlehen kosten würde. Wer beide Werte vergleichen will, braucht sie immer im Paar.

Ändern sich die Bausparzinsen während der Laufzeit?

Nein. Beide Zinssätze werden bei Vertragsabschluss festgeschrieben und gelten unverändert bis zum Ende. Steigt das Marktzinsniveau, bleibt Ihr Darlehenszins niedrig – das ist der eigentliche Zweck des Vertrags. Fällt es dagegen, bleibt auch Ihr Guthabenzins niedrig, und ein günstigeres Darlehen wäre am Markt womöglich zu haben. Die Bindung wirkt in beide Richtungen.

Warum ist der Guthabenzins so niedrig?

Weil er den niedrigen Darlehenszins mitfinanziert. Im Bausparkollektiv stammt das Geld für die Darlehen aus den Einlagen der Sparer; was die Kasse den Sparern zahlt, muss sie über die Darlehenszinsen wieder einnehmen. Ein Tarif mit hohem Guthabenzins hat deshalb typischerweise auch einen höheren Darlehenszins. Für Bausparer, die das Darlehen nutzen wollen, ist der niedrige Guthabenzins kein Mangel, sondern der Preis der Zinssicherung.

Was ist ein Zinsbonus beim Bausparvertrag?

Eine nachträgliche Aufstockung des Guthabenzinses für den Fall, dass Sie auf das Bauspardarlehen verzichten. Der Tarif kalkuliert dann anders, weil die Kasse Ihr Geld nicht als Darlehen ausreichen muss. Für reine Sparer kann das den Ausschlag geben. Die Bedingungen unterscheiden sich allerdings von Tarif zu Tarif erheblich – insbesondere bei den Fristen und bei der Frage, ob der Bonus im Fall einer Kündigung erhalten bleibt.

Lohnt sich ein Bausparvertrag bei hohen Marktzinsen noch?

Für die Zinssicherung weniger, weil ein heute abgeschlossener Vertrag das aktuell hohe Niveau festschreibt. Der Vorteil des Bausparens entsteht dann, wenn Sie ein niedriges Zinsniveau für die Zukunft konservieren. Umgekehrt werden bestehende Altverträge mit niedrigem Darlehenszins in Hochzinsphasen wertvoll – bevor Sie einen solchen Vertrag kündigen, sollten Sie prüfen, was Sie damit aufgeben.

Quellen

Günther Dallmair

Verfasst von

Günther Dallmair

Bauspar- und Finanzierungsexperte

IHK-registrierter Immobiliardarlehensvermittler
Reg.-Nr. D-W-155-1UQR-94

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