IHK-registrierter Immobiliardarlehensvermittler

Vorausdarlehen: sofort finanzieren, mit Bausparvertrag tilgen

Beim Vorausdarlehen bekommen Sie das Geld sofort, zahlen darauf aber zunächst nur Zinsen und tilgen nicht. Parallel besparen Sie einen Bausparvertrag, der bei Zuteilung das Vorausdarlehen in einem Zug ablöst. Der Reiz liegt in der Zinssicherung über die gesamte Laufzeit. Der Preis: Weil nicht getilgt wird, bleibt die Zinslast bis zur Ablösung auf der vollen Summe – und Sie zahlen Zins und Sparrate gleichzeitig.

Von Günther DallmairAktualisiert am

Auf einen Blick

Auszahlung
sofort, in voller Höhe
Tilgung in Phase 1
keine – Sie zahlen nur Zinsen
Monatliche Belastung
Zins auf das Vorausdarlehen und Sparrate gleichzeitig
Ablösung
bei Zuteilung durch Guthaben und Bauspardarlehen
Zinsbindung
über beide Phasen festgeschrieben
Hauptrisiko
die Zuteilung kann sich verschieben
Typischer Einsatz
wenn ein sehr langer Zinsschutz gewünscht ist

Wie die Konstruktion abläuft

  1. 1Vorausdarlehen wird ausgezahlt. Sie erhalten den vollen Betrag und können sofort bauen, kaufen oder modernisieren.
  2. 2Sie zahlen zwei Beträge parallel. Auf das Vorausdarlehen laufen Zinsen, getilgt wird nichts. Gleichzeitig besparen Sie den Bausparvertrag bis zum Mindestsparguthaben.
  3. 3Der Bausparvertrag wird zuteilungsreif. Sobald Sparguthaben, Mindestsparzeit und Bewertungszahl stimmen, steht die Zuteilung an.
  4. 4Ablösung in einem Zug. Bausparguthaben und Bauspardarlehen zusammen entsprechen der Bausparsumme und lösen das Vorausdarlehen vollständig ab.
  5. 5Phase 2 beginnt. Jetzt tilgen Sie das Bauspardarlehen ganz normal – zu dem Zins, der schon bei Vertragsabschluss feststand.

Warum die Zinslast nicht sinkt

Das ist der Punkt, an dem die Konstruktion am häufigsten unterschätzt wird. Bei einem Annuitätendarlehen sinkt die Restschuld vom ersten Monat an, und mit ihr der Zinsanteil jeder Rate. Beim Vorausdarlehen passiert das nicht: Weil nicht getilgt wird, bleibt die Schuld bis zur Ablösung unverändert – und damit auch die Zinszahlung, Monat für Monat, auf den vollen Betrag.

Ihr Geld fließt in dieser Zeit nicht in die Schuld, sondern in den Bausparvertrag, wo es zum Guthabenzins liegt. Der ist typischerweise deutlich niedriger als der Zins, den Sie gleichzeitig auf das Vorausdarlehen zahlen. Diese Differenz ist der eigentliche Preis der Konstruktion.

Daraus folgt eine klare Prüffrage: Ein Vorausdarlehen rechnet sich nur, wenn der gesicherte Zins über die gesamte Laufzeit den Nachteil der ausgesetzten Tilgung mehr als ausgleicht. Bei kurzen Laufzeiten tut er das fast nie.

Das Zuteilungsrisiko

Die Konstruktion steht und fällt damit, dass der Bausparvertrag rechtzeitig zugeteilt wird. Genau das kann Ihnen aber niemand garantieren: Nach dem Gesetz über Bausparkassen darf ein Zuteilungstermin vorab nicht verbindlich zugesagt werden, weil die Zuteilung von der verfügbaren Zuteilungsmasse im Kollektiv abhängt.

Verschiebt sie sich, läuft das Vorausdarlehen weiter – mit unveränderter Zinslast und ohne dass Sie in der Zwischenzeit Schulden abgebaut hätten. Seriöse Angebote kalkulieren deshalb mit einem Puffer und weisen aus, was bei verspäteter Zuteilung passiert. Fehlt dieser Hinweis in einem Angebot, ist das ein Warnzeichen.

Zweiter Punkt, der in die Prüfung gehört: Was geschieht, wenn Sie die Sparrate zeitweise nicht aufbringen können? Anders als beim Regelsparbeitrag eines freistehenden Vertrags ist die Sparleistung hier Teil der Tilgungsvereinbarung – ein Aussetzen verschiebt die Ablösung unmittelbar.

Wann es sich rechnen kann

Es gibt Konstellationen, in denen der Zinsschutz den Nachteil überwiegt:

  • Sie wollen sehr lange Zinssicherheit. Über 20 Jahre und mehr bieten Banken kaum feste Zinsbindungen an; die Kombination aus Vorausdarlehen und Bausparvertrag kann diesen Zeitraum abdecken.
  • Sie erwarten steigende Zinsen. Der Vorteil wächst mit dem Abstand zwischen gesichertem und künftigem Marktzins – und schrumpft, wenn die Zinsen fallen.
  • Sie finanzieren ohne Grundbucheintrag. Modernisierungen bis zu bestimmten Beträgen laufen bei Bauspardarlehen häufig ohne Grundschuld, was Notar- und Grundbuchkosten spart.
  • Sie vermieten die Immobilie. Bei vermietetem Eigentum sind Schuldzinsen als Werbungskosten abziehbar. Weil die Tilgung ausgesetzt ist, bleibt der abziehbare Zinsanteil dauerhaft hoch – ein Effekt, der bei Selbstnutzung vollständig entfällt.

Was Sie vergleichen müssen

Nicht die monatliche Rate. Sie sagt hier wenig, weil sie aus zwei Bestandteilen besteht und in Phase 2 komplett anders aussieht als in Phase 1. Vergleichbar sind nur die Gesamtkosten über die volle Laufzeit: Zinsen auf das Vorausdarlehen, Abschlussgebühr, Zinsen des Bauspardarlehens, abzüglich der Guthabenzinsen.

Diese Summe stellen Sie einem klassischen Annuitätendarlehen mit Anschlussfinanzierung gegenüber – wobei Sie für den Anschluss einen Zins annehmen müssen, den heute niemand kennt. Genau diese Unsicherheit kaufen Sie mit dem Vorausdarlehen ab. Ob dieser Preis angemessen ist, ist eine Einschätzung, keine Rechnung.

Lassen Sie sich beide Varianten deshalb nebeneinander durchrechnen, mit denselben Annahmen und über denselben Zeitraum. Alles andere vergleicht Äpfel mit Birnen.

Häufige Fragen

Was ist ein tilgungsausgesetztes Darlehen?

Ein Darlehen, bei dem Sie zunächst ausschließlich Zinsen zahlen und keine Tilgung leisten. Statt die Schuld zu verringern, sparen Sie das Geld in einem anderen Vertrag an – beim Vorausdarlehen in einem Bausparvertrag –, der das Darlehen später in einem Zug ablöst. Der Fachbegriff für den Ansparvertrag ist Tilgungsersatz.

Was kostet ein Vorausdarlehen mehr als ein normales Darlehen?

Der Unterschied entsteht dadurch, dass die Restschuld nicht sinkt. Bei einem Annuitätendarlehen fällt der Zinsanteil mit jeder Rate, hier bleibt er bis zur Ablösung auf dem vollen Betrag. Dazu kommt die Abschlussgebühr des Bausparvertrags von üblicherweise 1,0 bis 1,6 Prozent der Bausparsumme, und das angesparte Guthaben wird niedriger verzinst als das Darlehen kostet. Wie groß der Nachteil ausfällt, hängt vollständig von Laufzeit und Zinsabstand ab.

Was passiert, wenn der Bausparvertrag später zugeteilt wird als geplant?

Das Vorausdarlehen läuft weiter, und Sie zahlen weiter Zinsen auf die volle Summe. Ein Zuteilungstermin darf nach dem Bausparkassengesetz vorab nicht verbindlich genannt werden, weil die Zuteilung von der Zuteilungsmasse im Kollektiv abhängt. Angebote sollten deshalb einen Puffer einkalkulieren und ausdrücklich beschreiben, was bei Verzögerung geschieht.

Kann ich ein Vorausdarlehen vorzeitig zurückzahlen?

Das hängt am Darlehensvertrag und ist der Punkt, den man vor der Unterschrift klären sollte. Wichtig ist die Unterscheidung: Das Bauspardarlehen der zweiten Phase lässt sich in aller Regel jederzeit und kostenfrei sondertilgen. Für das Vorausdarlehen der ersten Phase gilt das nicht automatisch – dort können dieselben Vorfälligkeitsregeln greifen wie bei einem gewöhnlichen Bankdarlehen.

Für wen ist ein Vorausdarlehen nicht geeignet?

Für alle, die eine kurze oder mittlere Finanzierung planen und Wert auf schnellen Schuldenabbau legen. Wer in zehn Jahren schuldenfrei sein will, fährt mit einem Annuitätendarlehen und hoher Tilgung fast immer günstiger. Ungeeignet ist die Konstruktion auch, wenn die monatliche Doppelbelastung aus Zins und Sparrate knapp kalkuliert wäre: Ein Aussetzen der Sparrate verschiebt die Ablösung sofort nach hinten.

Quellen

Günther Dallmair

Verfasst von

Günther Dallmair

Bauspar- und Finanzierungsexperte

IHK-registrierter Immobiliardarlehensvermittler
Reg.-Nr. D-W-155-1UQR-94

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