IHK-registrierter Immobiliardarlehensvermittler

Bausparkassen in Deutschland: was sie von Banken unterscheidet

Bausparkassen sind Spezialkreditinstitute: Sie dürfen im Kern nur das Bauspargeschäft betreiben und unterliegen dafür einem eigenen Gesetz sowie der Aufsicht der BaFin. Unterschieden werden private Bausparkassen und die öffentlich-rechtlichen Landesbausparkassen, die regional organisiert und der Sparkassen-Finanzgruppe zugeordnet sind. Für die Entscheidung zählt in der Praxis weniger die Bausparkasse als der einzelne Tarif – innerhalb eines Hauses unterscheiden sich die Tarife oft stärker als die Häuser untereinander.

Von Günther DallmairAktualisiert am

Auf einen Blick

Rechtsform des Geschäfts
Spezialkreditinstitut nach BauSparkG
Aufsicht
BaFin
Zwei Gruppen
private Bausparkassen und Landesbausparkassen
Landesbausparkassen
öffentlich-rechtlich, regional, Sparkassen-Finanzgruppe
Private Bausparkassen
bundesweit tätig, unterschiedliche Vertriebswege
Einlagensicherung
gesetzlich mindestens 100.000 € je Kunde und Institut
Entscheidend für Sie
der Tarif, nicht das Haus

Warum eine Bausparkasse keine normale Bank ist

Eine Bausparkasse darf nicht tun, was eine Universalbank tut. Das Gesetz über Bausparkassen beschränkt ihr Geschäft im Kern auf das Bausparen: Einlagen entgegennehmen, daraus Darlehen für wohnwirtschaftliche Zwecke gewähren, dazu eng umgrenzte Nebengeschäfte. Diese Beschränkung ist kein Nachteil, sondern der Preis für die Konstruktion, die das Bausparen überhaupt möglich macht.

Denn das Versprechen eines Bausparvertrags – ein Darlehenszins, der über Jahrzehnte feststeht – ist nur haltbar, wenn das eingesammelte Geld nicht anderweitig eingesetzt wird. Die Bausparkasse verwaltet ein geschlossenes Kollektiv: Was die einen sparen, leihen die anderen. Damit dieses Gleichgewicht kalkulierbar bleibt, sind sowohl die Geschäftstätigkeit als auch die Allgemeinen Bedingungen für Bausparverträge aufsichtsrechtlich reguliert.

Private Bausparkassen und Landesbausparkassen

Die deutschen Bausparkassen teilen sich in zwei Gruppen. Die privaten Bausparkassen sind privatrechtlich organisiert, arbeiten bundesweit und unterscheiden sich vor allem im Vertriebsweg – manche über eigene Außendienste, manche über Banken, Makler und Vermittler.

Die Landesbausparkassen sind öffentlich-rechtlich, regional zugeschnitten und der Sparkassen-Finanzgruppe zugeordnet. Wer über seine Sparkasse zum Bausparen kommt, landet in der Regel bei der Landesbausparkasse des jeweiligen Gebiets. Die regionale Struktur bedeutet allerdings nicht, dass die Konditionen regional gebunden wären: Auch eine Landesbausparkasse steht bundesweit im Wettbewerb.

Für die Produktqualität sagt die Zugehörigkeit zu einer der beiden Gruppen wenig aus. Sie erklärt eher, auf welchem Weg Ihnen ein Angebot begegnet.

Was sich zwischen Bausparkassen tatsächlich unterscheidet

Die Institute sind reguliert und in ihrer Grundmechanik gleich. Unterschiede gibt es trotzdem – aber nicht dort, wo man sie zuerst vermutet:

  • Die Tarifpalette. Manche Häuser führen viele fein abgestufte Tarife, andere wenige, breit angelegte. Das entscheidet, wie genau ein Tarif zu Ihrem Vorhaben passen kann.
  • Die Zinskalkulation der Tarife. Wie das Verhältnis von Guthaben- zu Darlehenszins gesetzt ist, siehe Bausparzinsen.
  • Die Abschlussgebühr und laufende Kontogebühren. Beides ist tarifabhängig und schlägt spürbar auf die tatsächlichen Kosten durch.
  • Die Zuteilungspraxis. Wie schnell zugeteilt wird, hängt auch von der Zuteilungsmasse im jeweiligen Kollektiv ab – eine Größe, die Sie von außen nicht beurteilen können und die niemand verbindlich zusagen darf.
  • Der Service im Leistungsfall. Wie unkompliziert Sonderzahlungen, Stundungen oder eine Herabsetzung der Bausparsumme laufen, merkt man erst Jahre nach dem Abschluss.

Warum der Tarif wichtiger ist als das Haus

Die häufigste Frage lautet, welche Bausparkasse die beste sei. Sie führt in die Irre. Innerhalb einer einzigen Bausparkasse unterscheiden sich die Tarife regelmäßig stärker voneinander als die Bausparkassen untereinander – weil ein Finanzierungstarif und ein Renditetarif zwei verschiedene Produkte sind, auch wenn sie im selben Haus geführt werden.

Sinnvoll ist deshalb die umgekehrte Reihenfolge: erst den Zweck festlegen, dann den passenden Tariftyp bestimmen, und erst danach schauen, welches Haus in diesem Tariftyp die besseren Konditionen bietet. Wie das im Einzelnen geht, steht unter Bauspartarife vergleichen.

Wie sicher ist das Guthaben?

Bauspareinlagen sind Einlagen im Sinne der Einlagensicherung. Gesetzlich geschützt sind mindestens 100.000 Euro je Kunde und Institut; darüber hinaus gehören die Institute Sicherungssystemen ihrer jeweiligen Gruppe an. Für den ganz überwiegenden Teil der Bausparguthaben ist die Frage damit praktisch beantwortet.

Das relevantere Risiko beim Bausparen ist ohnehin kein Ausfallrisiko, sondern ein Zinsänderungsrisiko in die andere Richtung: dass Sie sich einen Darlehenszins sichern, den Sie später gar nicht brauchen, und dafür jahrelang einen niedrigen Guthabenzins in Kauf genommen haben.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen einer Bausparkasse und einer Bank?

Eine Bausparkasse ist ein Spezialkreditinstitut: Ihr Geschäft ist gesetzlich auf das Bauspargeschäft beschränkt, während eine Universalbank Giro-, Anlage- und Kreditgeschäfte aller Art betreiben darf. Diese Beschränkung ist die Voraussetzung dafür, dass eine Bausparkasse Zinsen über Jahrzehnte verbindlich zusagen kann. Beaufsichtigt werden beide von der BaFin, und für beide gilt dieselbe gesetzliche Einlagensicherung.

Kann ich einen Bausparvertrag auch bei meiner Bank abschließen?

Bei der Bank abschließen können Sie ihn, geführt wird er aber immer von einer Bausparkasse. Banken und Sparkassen vermitteln Bausparverträge, meist die des Instituts, mit dem sie zusammenarbeiten – Sparkassen typischerweise die der zuständigen Landesbausparkasse. Das ist bequem, bedeutet aber, dass Sie in der Regel nur die Tarife eines einzigen Hauses zu sehen bekommen.

Welche Bausparkasse ist die beste?

Die Frage lässt sich nicht sinnvoll beantworten, weil sie an der falschen Stelle ansetzt. Entscheidend ist der Tarif, nicht das Haus: Innerhalb einer Bausparkasse unterscheiden sich Finanzierungs- und Renditetarife stärker voneinander als die Bausparkassen untereinander. Sinnvoll ist es, zuerst den Zweck zu klären und den passenden Tariftyp zu bestimmen – und erst dann zu vergleichen, welches Haus in genau diesem Tariftyp die besseren Konditionen bietet.

Kann ich die Bausparkasse während der Laufzeit wechseln?

Nein. Ein Bausparvertrag ist an das Institut gebunden, bei dem er geführt wird; ein Wechsel würde bedeuten, den bestehenden Vertrag zu kündigen und einen neuen abzuschließen. Damit verlieren Sie die gesicherten Konditionen und die bereits gezahlte Abschlussgebühr und beginnen beim Zuteilungsverlauf von vorn. Was bei einer Kündigung sonst noch passiert, steht unter Bausparvertrag kündigen.

Ist mein Bausparguthaben sicher?

Bauspareinlagen fallen unter die Einlagensicherung: Gesetzlich geschützt sind mindestens 100.000 Euro je Kunde und Institut, zusätzlich bestehen Sicherungssysteme der jeweiligen Institutsgruppe. Da Bausparguthaben typischerweise deutlich unter dieser Grenze liegen, ist das Ausfallrisiko in der Praxis kaum das Thema. Relevanter ist die Frage, ob der Vertrag zu Ihrem Vorhaben passt.

Quellen

Günther Dallmair

Verfasst von

Günther Dallmair

Bauspar- und Finanzierungsexperte

IHK-registrierter Immobiliardarlehensvermittler
Reg.-Nr. D-W-155-1UQR-94

Passt das auf Ihre Situation?

Allgemeine Regeln sind das eine, Ihr konkreter Fall das andere. In einer kostenlosen Ersteinschätzung ordnen wir ein, ob und wie ein Bausparvertrag bei Ihnen wirtschaftlich Sinn ergibt.